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   Warum Frauen immer Handtaschen bei sich tragen
    Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum Frauen immer solche riesigen Handtaschen mit sich herum schleppen? Ich meine, diese Dinger wiegen doch mindestens mit Inhalt soviel wie eine Mikrowelle; aber kein Mann würde sich mit einer Mikrowelle unter dem Arm auf die Piste trauen. Seltsam oder nicht?
Der Grund für dieses Phenomen liegt wohl in dem bei Frauen angeborenen Sammelinstinkt: immer alles horten und in greifbarer Nähe haben. Sicherlich auch der Grund für die Erfindung der Einbauküche.
   Doch ich muß gestehen, daß dieses Verhalten garnicht mal so dumm ist. Denn wie ich an eigenem Leibe erfahren konnte, sind solche Damen-Handtaschen für Frauen (und evtl. auch für Männer) überlebens-wichtig!
Ich möchte euch an meiner Erfahrung teilhaben, damit wir die Frauen vielleicht ein wenig verstehen können und so bessere Männer werden.
   Es war vor ca. 2 Monaten. An diesem Tag (einem Samstag, glaube ich) bissen die Fische nicht. Auf jeden Fall nicht bei mir. Es könnte auch gut sein, dass die Goldfische im Aquarium vor mir einfach nur über-füttert sind.
Als ich mich im großen Spiegel an der Wand gegenüber betrachte, wie ich da sitze, auf einem Schreibtisch, einen BH in der Hand, muss ich lachen. Ich versuche zu angeln, weil ich Hunger habe. Es ist dunkel, mir ist kalt -und diese Fische beißen nicht. Was für ein Abend!
   Am Anfang war es ja noch auf angenehme Weise aufregend. Wir beide in Brigittes (Name geändert) neuem Büro-Loft. Noch nicht bezogen, völlig leer. Nur sie und ich und der große Tisch. Und die Fische in dem monströsen Aquarium, die ihr dabei zusehen, wie sie mir die Unter-hose mit den Zähnen auszieht. Und wir danach das Beste aus dem Tisch und uns herausholen. Besonders sie aus mir. Hinterher liegen wir beiein-ander, alles ist ruhig. Bis ihr Handy klingelt. Ich habe ihre Stimme noch im Ohr: "So ein Mist, mein Flieger!" Dann ist sie weg, und ich bin allein.
Nach ein paar Minuten rappele ich mich hoch und stelle fest: Ich bin gefangen! Einsames Industriegelände, sechster Stock, Stahltür, nur mit einer Chipkarte zu öffnen. Ein Handy ohne Empfang und Fenster aus Panzerglas. Klingt nach einem tollen Wochenende. Ich will hier raus! Als ich ihre Handtasche entdecke - die hat sie vergessen - und sie nach der Chipkarte durchsuche - die hat sie mitgenommen -‚ fällt mir dabei jedoch aller möglicher Krempel in die Hände, und ich denke: Super, dies ist dein Survivalpack!
MacGyver lebt. Hier und jetzt.
   Das ist meine Situation: Ein Mann mit einer Damenhandtasche plant, aus Alcatraz zu entkommen. Das ist so ähnlich, wie mit dem Inhalt einer Butterbrotdose die Bank of England zu knacken.
Ich fummele mit der Haarnadel etwas am Türschloss herum, gebe aber bald auf.
Dann versuche ich, der Stahltür mit der Nagelfeile beizukommen. Dabei rutsche ich ab und jage mir die Spitze in den Arm. Es blutet genau wie im Film.

Die Wunde versorge ich mit einem Tampon, den ich in meinem Survival-pack finde.
    Danach untersuche ich die Fenster: keine Chance. An einer der Scheiben entdecke ich einen kleinen Spalt, wo der Kitt zerbröselt ist, dadurch strömt kalte Luft hinein. Toll, wo hier sowieso keine Heizung ist. Ich brülle ein paar Mal "Hilfe!" durch den Ritz; bin aber noch nicht verzweifelt genug, um mir dabei nicht blöd vorzukommen.
   Die Sachen, die ich am Körper habe, reichen für Zimmertemperatur. Aber meine Daunenjacke, die für winter-nächtliche Temperaturen in undichten Lofts geeignet wäre, liegt in ihrem Wagen. Etwas Warmes muss her. In der Tasche ist ein Knirps-Schirm. Ich zögere, denke dann: egal! Und entferne die Bespannung von den Streben. Heraus kommt ein Umhang, den ich mir um die Schultern lege. Nicht hübsch, aber wärmer.
   Der Gedanke widerstrebt mir zwar, aber ich muss wohl ein Feuer machen. Dazu stapele ich sämtliche Kassen-zettel, Rechnungen, Visitenkarten und sonstige Papierschnipsel aus dem überquellenden Timer zu einem kleinen Haufen. Danach überbrücke ich ihren Handy-Akku mit Hilfe eines dünnen Drahts aus einer Plastik-blume, und die ganze Chose wird glühend heiß. Ich halte den Draht an ein Stückchen Seidenpapier, das mein flüchtiger Engel Brigitte wohl aus einem ihrer wöchentlichen Schuhkäufe gezupft hat. Als das brennt, kann ich das Kassenbon-Fire entzünden und dann einige Seiten aus ihrem Frauen-roman nachlegen.
Jetzt fehlt mir nur noch etwas Holz. Beim Tisch habe ich keine Chance: Eichenfurnier auf Stahlgestell. Den kann ich höchstens verhütten, aber nicht in einem Feuer aus Kassen-zetteln. Die Klotür ist aus Sperrholz. Prima Zunder. Ich breche die blutige Spitze der Nagelfeile ab und benutze den Rest als Schraubendreher. Die Scharniere lösen sich leicht.
Ich lege die Tür mit einem Ende schräg auf den Tisch und springe darauf herum. Der Moment, in dem ich mit gezieltem Sprung die Tür krachend in zwei Hälften zerteile, wäre genau der richtige für die Süße gewesen um zurückzukommen und zu sagen: "Habe ich meine Tasche hier verge...? Was zum Teufel machst du da?"
   Mittlerweile ist es nach zehn. Das Feuer brennt und knistert und macht Flecken auf dem Parkett. Der Rauch zieht durch den Lüftungsschacht ab - zum Glück. Es stinkt ein wenig, weil ich den Nagellackentferner aus ihrer Tasche als Brandbeschleuniger einge-setzt habe. Aber es ist warm - die wahrscheinlich dekadenteste Heizung der Welt.
   In der Tasche finde ich Nähzeug. Mir kommt eine Idee. Ich schreibe mit ihrem Lippenstift groß "Hilfe!" auf ein paar Seiten des Timers, dazu die Worte "Bin gefangen, 6. Stock". Die Blätter knote ich mit Garn zu einer Kette zusammen, friemele die Seiten durch den Ritz im Fenster und lasse sie hinunter. Leider reichen sie jedoch nicht bis zum Boden.
Zweieinhalb Meter Faden habe ich aufgehoben. Ich rücke den Tisch ans Aquarium, biege aus den Nähnadeln ein paar kleine Haken und knote sie an das restliche Garnstück. Den Büsten-halter den ich in der Tasche gefunden habe und der noch ein wenig ihr Aroma trägt,

hänge ich auch mit an die Schnur. Dann beschwere ich sie mit dem monströsen Schlüsselbund mit Marsupilami-Anhänger und werfe die Angel ins Aquarium.
   Da sitze ich also nun, ich armer Tor, und bin so hungrig wie zuvor. Wie schmeckt denn eigentlich Goldfisch so? Die Japaner essen das doch auch, oder? Na, dann kann es ja wenigstens nicht tödlich sein. Doch bisher haben sich die armen Biester noch nicht einmal von dem Schock erholt, den ihnen das Aufklatschen meiner Angel bereitet hat. Sie haben sich alle-samt in die hinterste Ecke des Beckens verdrückt und machen jetzt mit ihren Mäulern "Oh weh, oh weh!"-Bewegungen.
   Kein Fisch am Haken, kein Schwein vor der Tür. Ich werde hier verhungern!
Nein, nein, ruhig bleiben. Es gibt eine Lösung, es gibt immer eine Lösung, das hat Bruce Willis auch immer gesagt. Aber der hatte auch wenigstens zwei 45er, mit denen er diesen verfluchten Fensterscheiben schon gezeigt hätte, wo der Glaser wohnt. Ich, ich habe einen
Lippenstift und eine Nagelfeile. Attacke!
   Stunden später. Mir ist schlecht. Ich habe gerade den Lippenstift gegessen. Giftig ist er nicht, das wusste ich. Aber dafür habe ich einen Geschmack im Mund, als hätte ich allen Friseusen der Stadt nacheinander ins Gesicht ge-bissen. Wenigstens habe ich keinen Hunger mehr. Ich bin schminksatt - dafür muss ich jetzt allerdings andauernd aufs Klo.
   Das Feuer brennt langsam herunten. Für die Nacht sollte ich mich besser einpacken. Also rolle ich mich in meinen Knirps- Umhang, wickele mir die Seiten einer Frauenzeitschrift um die Füße und ziehe die Socken darüber. Danach leere ich die Handtasche und ziehe sie mir, jetzt lachen Sie, über den Kopf. Als ich mir überlege, woran ich denken könnte um einzuschlafen, schlafe ich ein.
Im Traum versuche ich, ein Burgtor einzurennen. Mein Rammbock ist ein überdimensioniertes Watte-stäbchen.
Schweißgebadet wache ich auf. Die morgendliche Wintersonne strahlt in den Raum. Sofort habe ich die rettende Idee. Ich greife mir den Schminkspiegel aus ihrer Handtasche und sprinte zum Fenster. Die Sonne strahlt so hell, das muss doch jemand sehen! Ich lenke das grelle Licht in Richtung Hauptstraße.
Der erste Wagen, der stoppt, hält an, weil der Fahrer geblendet in einen anderen Wagen gefahren ist. Der hält dann auch an. Und viele andere. Durch die Massenkarambolage wird man schließlich auf mich aufmerksam.    Als die Polizisten die Tür mit dem Schweißbrenner geöffnet haben, machen sie mir deutlich, dass all das sehr teuer wird. Dass ich vielleicht in den Knast komme. Mir egal. Ich lasse mir einfach eine Handtasche reinschmuggeln.
Damit komme ich überall raus.

 

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